Das System überwinden! Nordbruch

Von Dr. Claus Nordbruch – Seit Jahrzehnten ist die nationale Existenz – das biologische, geistige und kulturelle Dasein der Deutschen – einem systematisch durchgeführten, gut koordinierten Großangriff ausgesetzt.

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Wollen wir als Deutsche überleben und unsere Zukunft selbst gestalten, gilt es, diesem gewaltigen Angriff entschieden zu begegnen! Die Frage stellt sich freilich nach dem Wie. Auf keinen Fall durch Anwendung von Gewalt! Wir haben eine friedliche Revolution durchzuführen. Die Grundvoraussetzung für das Gelingen unserer Befreiung, ist unsere geistige Bereitschaft. Vielleicht ist in diesem Zusammenhang das Bekenntnis von General Carl von Clausewitz (1780-1831) von großer Bedeutung. Vor der Tat hat die Erkenntnis zu stehen:

 

»Ich sage mich los:

  • von der leichtsinnigen Hoffnung einer Errettung durch die Hand des Zufalls;
  • von der dumpfen Erwartung der Zukunft, die ein stumpfer Sinn nicht erkennen will;
  • von der kindischen Hoffnung, den Zorn eines Tyrannen durch freiwillige Entwaffnung zu beschwören, durch niedrige Untertänigkeit und Schmeichelei sein Vertrauen zu gewinnen;
  • von der falschen Resignation eines unterdrückten Geistesvermögens;
  • von dem unvernünftigen Mißtrauen in die uns von Gott gegebenen Kräfte;
  • von der sündhaften Vergessenheit aller Pflichten für das allgemeine Beste;
  • von der schamlosen Aufopferung aller Ehre des Staates und Volkes, aller persönlichen und Menschenwürde.«

 

Es bedarf keiner besonderen prophetischen Befähigung festzustellen, daß das System der Berliner Republik nicht ewig bestehen wird. Vielmehr deuten unübersehbare Anzeichen darauf hin, daß es seinen Zenit längst überschritten hat. Und das ist auch gut so. Es wäre allerdings falsch, hieraus schließen zu wollen, daß ›alles demnächst‹ und möglichst noch ›von selbst zusammenbricht‹. Eine solch bequeme und im Grunde genommen auch feige Annahme hat vor allem eine Wirkung: eine lähmende. Sie impliziert eine Lethargie, die jeden von einer aktiven politischen Arbeit abhält. Auf diese Weise wird das augenblickliche System nicht überwunden werden! Und schon gar nicht kann so ein neues, lebenswerteres System geschaffen werden. Denn das muß ja unser Ziel sein: Ein Staatswesen für das Volk durch das Volk zu schaffen, das gekennzeichnet ist durch Souveränität und Solidarität, durch Ehre und Liebe.

Die nationale Frage ist mit der sozialen unauflösbar verknüpft und umgekehrt. Ohne nationales Bewußtsein kann es keine soziale Identität geben. »Lebenssinn findet das Individuum nur in der angestammten Gemeinschaft. Das hat die Verhaltensforschung eindrucksvoll nachgewiesen. Es gilt daher, sich gegen die Fremdbestimmung einer verwalteten Welt und gegen das Menschenbild vom Konsumenten in einer Knopfdruckgesellschaft, deren Signale wie in einem kybernetischen Schaltkreis zu befolgen sind, zu wehren. Das erfordert eine eigene, überzeugende Konzeption. Deren Fundamente sind Familie und Freundeskreis, Gemeinde, Heimat und Vaterland sowie Volk und Nation. In ihnen findet der einzelne Identität, Geborgenheit und Lebenssinn, bildet sich die Persönlichkeit aus.« Diese alten und bewährten Kräfte gilt es vor allem in unserer Jugend, in unserem gesamten Volk zu neuem Leben zu erwecken. Das immer wiederkehrende Problem, mit dem wir konfrontiert werden, ist aber auch hier die Frage nach dem Wie.

Besinnen wir uns! Folgen wir unserer inneren Stimme. Gewaltige Anleihen für ein notwendiges und lebensrichtiges Menschenbild können aus unserer so abwechslungsreichen deutschen Geschichte entnommen werden. Warum nicht aus Preußen? Dieses eherne Königreich war – alliierter und damit auch bundesrepublikanischer Geschichtsschreibung zum Trotz – eben nicht Quelle von Militarismus und Reaktion, sondern ein seiner Zeit weit voraus beneidenswert entwickelter, fortschrittlicher und erfolgreicher Staat. Die beispiellose Erfolgsbilanz des preußischen Staates erstreckte sich von der damals revolutionären Aufhebung der Leibeigenschaft bis zur Abschaffung der Folter und reichte vom Bau der Eisenbahnen bis zum Bildungssystem des 19. Jahrhunderts. Erstmals wurden die Grundvoraussetzungen für einen Staat geschaffen, der dem Geist- und Sozialwesen Mensch Respekt zollte. Die Zensur wurde in großem Maße abgeschafft ebenso grausame Arten des Hinrichtens. Die Religionsfreiheit wurde nach dem Motto gewährt, jeder solle nach seiner Façon selig werden. In Preußen ist den Menschen, wie dem Publizist Karl Richter zuzustimmen ist, »etwas geboten worden, wonach sie hierzulande lechzen: Führung, Orientierung, Sinngebung. Das hat damals funktioniert, weil die Träger dieser Staatsidee durch die Bank einer Tradition des Dienens und der Pflicht erzogen worden sind, und nicht in einer der Selbstverwirklichung und der Freizeitgestaltung. An der Berliner Kriegsakademie stand jenes Motto zu lesen, ein zutiefst preußisches Motto, aber eines, das zu allen Zeiten und unter allen Völkern Gültigkeit besitzt: ›Mehr sein als scheinen.‹ Das ist das Anti-Programm schlechthin zu diesem Kult des Nebensächlichen, des Selbstverwirklichten, des Lauten und Lärmenden, der sich heute ›Offene Gesellschaft‹, ›Pluralismus‹, ›westliche Werte‹ nennt.« Pünktlichkeit, Ehre, Anstand, Ehrfurcht, Aufrichtigkeit, Leistungsbereitschaft, Opferbereitschaft, Volk, Gehorsam, Weltanschauung, Dienen, Stolz, Würde, Dankbarkeit, Elite, Selbstbewußtsein und viele andere Begriffe aus der Ethik sind solche, die in der bundesdeutschen Gesellschaft keine Bedeutung haben. Altmodisch sind sie. Faschistoid gar, und schon deshalb aus dem Bewußtsein bundesdeutscher Bürger so gut wie ausgelöscht. Nur sind Fleiß, Disziplin, Ordnungssinn und Gemeinschaftsbewußtsein eben nicht »Sekundärtugenden, mit denen man auch ein Konzentrationslager betreiben« könne (Oskar Lafontaine), sondern ebenso wie Menschlichkeit, Hilfsbereitschaft und Sinn für Gerechtigkeit elementare Tugenden, auf denen das neue System aufgebaut zu werden hat.

Gehen wir noch einen Schritt weiter, um den tiefen Sinn dieser Weltanschauung zu beschreiben. Pflicht und Arbeit sind für den Deutschen im metaphysischen Sinn nicht Fluch, sondern Erfüllung. Nicht der Genuß, sondern die erfüllte Pflicht – im Goethe’schen Sinne also die Forderung des Tages – steht im Mittelpunkt des deutschen Lebens. Dietrich Schuler hat diese Ethik erfaßt: »Deutsches Denken aber war stets elitär, nicht egalitär. Für den Deutschen im Sinne der platonischen Idee fließt Glück immer nur aus der Tat, der Leistung. ›Was trachte ich nach meinem Glücke? Ich trachte nach meinem Werke. (Nietzsche, Zarathustra) ›Im Anfang war die Tat.‹ (Faust) Das Werk also macht das Glück aus, nicht das Faulenzen. Solche Haltung ist jedoch kein Plädoyer für die Freudlosigkeit. Freude an der schöpferischen Tat, der vollbrachten Leistung, das fröhliche Gelingen macht wesentlich deutsches Glück aus, dort also, wo noch keine Verfremdung eingetreten ist.« Diese Einstellung war den Deutschen jahrhundertelang eine Selbstverständlichkeit. Sie wurde ihnen vorgelebt. Sie war Teil der Persönlichkeit des deutschen Menschen und konnte auch nach 1945 zunächst nicht abgelegt werden. Heute gilt sie freilich als ›antiquiert‹ – wenn nicht gar als ›faschistoid‹. Diese Feststellung hat nichts mit einem Parteibuch oder einer Konfession zu tun, sondern ist dahingehend zu verstehen, daß die Nachkriegsgenerationen in vielen elementaren Lebensbereichen ihren Vorfahren nicht das Wasser reichen können. Oder will man Gerhard Schröder ernsthaft mit Kurt Schumacher, Guido Westerwelle mit Erich Mende oder irgendeinen Politiker aus der CDU-Riege bei allem Vorbehalt mit Konrad Adenauer vergleichen, geschweige denn gleichsetzen? Um es ganz klar auszudrücken: »Wir haben in Deutschland mittlerweile ein erschreckend niedriges Niveau erreicht. Und zwar aufgrund einer ideologisch motivierten Abkehr von Lebensregeln, für die es keinen Ersatz gibt.« Genau. Und deshalb gilt es, sich auf jene Weltanschauung zu besinnen, die den Deutschen einst ihren Ruf in der Welt einbrachte und in dessen Sonne sich die Bundesdeutschen noch jahrzehntelang aalen konnten.

Nur mit der Hilfe des Volkes »können die verkrusteten Strukturen einer Republik aufgebrochen werden, die zu Recht als Parteienstaat kritisiert wird. Bewußtseinsänderung und Öffentlichkeitsarbeit sind daher angesagt, um die Massen zu erreichen. Das Volk wartet geradezu auf neue Signale und Führerschaft, denn es hat längst erkannt, daß es von der herrschenden politischen Klasse hinters Licht geführt und mit seinen wirklichen Problemen allein gelassen wird. Die geistige Konzeption der anzustrebenden Wende muß auf den reichen Wurzeln des Volkslebens aufbauen, dessen Kultur weltweit anerkannt ist.« Hierzu zählen beispielsweise unsere Sprache, die Künste und Wissenschaften sowie Tugenden wie Fleiß, Gemeinschafts- und Freiheitssinn.

Das deutsche Volk kann nur von innen her gesunden, dies gilt übrigens auch für alle anderen durch den anscheinend unaufhaltsamen Siegeszug des American way of lifekurzsichtig gewordenen Völker Europas. Eine äußerliche Schönheitsoperation, beispielsweise die Rückgängigmachung einiger Gesetze, würde nur das Erscheinungsbild ändern, also nur oberflächlich fungieren und ginge somit an dem großen Auftrag vorbei. Vielmehr ist der zur Zeit gelähmte Geist der Deutschen zu befreien! Diesen Geist wollen wir als Gesinnung verstehen, als Begeisterung für das Edle und Wahrhafte, das in tausend Lebensformen in der Not, in der Liebe, im Tod, im künstlerischen Schaffen Gestalt annimmt – und das eherne Gegenstück zu der Oberflächlichkeit der Genuß- und Konsumgesellschaft ist. Wir haben nach unseren Idealen einer besseren Welt zu leben. Wir haben hierfür geistig wie körperlich hart zu arbeiten. Dies ist mitnichten abstrakt aufzufassen, sondern auch in einem ganz menschlichen Sinn zu verstehen. Wir wollen unsere Freundschaften pflegen und nach einem Ehrenkodex leben, der sich grundlegend vom gängigen hedonistischen und materialistischen Lebensstil der bundesdeutschen Konsumgesellschaft abhebt. Es wäre vermessen, an dieser Stelle einen solchen verbindlichen Kodex aufzustellen. Die Richtlinien einer ›ethischen Gesetzessammlung‹ muß ohnehin jeder selbst in sich tragen. Entscheidend ist aber, daß wir nach diesen ehernen Prinzipien auch leben!

Was gegenwärtig das Abendland für den Untergang reif macht, sind nicht in erster Linie McDonalds, Grand Prix d‘Eurovision oder EU-Erweiterung, sondern ist die Tatsache, daß wir uns gegen Schwachsinn und Nötigung nicht wehren. Der Verfall konnte seinen Lauf nehmen, da Europa und allen voran seinem Herzen Deutschland die Ideale genommen wurden. Von daher rührt die geistige Öde, die kulturelle Dekadenz mit ihren Ausschweifungen und Ausartungen, die menschliche Unerfülltheit, die Frustration und Depression, die das Leben fast als Qual erscheinen lassen.

In uns, die sich ihrer Herkunft noch bewußt sind, in deren Brust noch ein Herz schlägt, aber lebt die Sehnsucht nach Lebensinhalt und Lebenserfüllung. Unsere Weltanschauung, die nicht dogmatisch verstanden werden darf, ja gar nicht dogmatisch verstanden werden kann, sondern im wahrsten Sinne des Wortes ›natürlich‹ aufzufassen ist, steht der herrschenden Ideologie der Volksverdummung, Volksverführung und letztlich Volksvernichtung unverrückbar gegenüber.

Am Ende seines Buches Das System unterbreitet Hans Herbert von Arnim Reformvorschläge, die allesamt auf eine Stärkung plebiszitärer Elemente hinauslaufen, also auf mehr Mitwirkungsmöglichkeiten der Bürger, Änderung des Wahlrechts und der Parteienfinanzierung, Wiederherstellung der Gewaltenteilung und des freien Mandats, Beendigung der privilegierten Überversorgung von Politikern. Vieles spricht für diese Punkte. Auf den ersten Blick sogar die Vermutung, eine neue Partei könnte die nötigen institutionellen Reformen zu ihrem Programm machen und damit erfolgreich sein. Gewiß, das Potential an Bürgern, die sich bei den etablierten Parteien nicht mehr wohl fühlen, ist inzwischen spürbar groß. Es spricht jedoch einiges gegen die Gründung einer neuen Partei, die letztendlich ohnehin nur unter dem Gesichtspunkt einer etwaigen Regierungsbeteiligung, quasi als künftiger Koalitionspartner einer Systempartei, ins Leben gerufen würde. Eine solche Symbiose hat nichts mit Systemüberwindung zu tun! Vor allem aber sprechen die herrschenden Verhältnisse selbst gegen eine Parteigründung. Diesen Umstand hat Rechtsanwalt Klaus Kunze hervorgehoben: »Die praktische Erfahrung in und mit einer mit den Herrschenden konkurrierender neuen Partei fehlt dem Professor von Arnim; vor allem aber die Erfahrung am eigenen Leibe, wie Medien und Establishment mit einer parteipolitischen Konkurrenz umspringen. Dazu müßte er als Theoretiker erst einmal zum Parteiführer und dem Establishment praktisch gefährlich werden. Er müßte eine Reportage von MonitorPanorama und Konsorten über ihn sehen, in der ihn seine eigene Mutter nicht wiedererkennen würde; er müßte am nächsten Tag erleben, wie Autonome unter deeskalierend zuschauenden Polizeibeamten seinen Parteitag sprengen, weil sie in Monitor gesehen haben, daß er eigentlich ein Nazi sei; er müßte ein Verwaltungsgerichtsverfahren führen, um erst die Stadthalle anmieten zu können, und ein zweites gegen den Staat, der seinen Parteitag wegen befürchteter autonomer Ausschreitungen verbot.« Nein, das Heil für unser Vaterland und für unsere Nation kann nicht in der Gründung einer neuen Partei liegen, die – selbst wenn sie in die Parlamente gewählt würde – nur zu einem weiteren Rädchen am System selbst würde. Eine Veränderung, geschweige denn die Überwindung des herrschenden Systems – und das ist ja unser Ziel! – kann auf diese Weise niemals erfolgen. Nur das Volk selbst kann noch etwas in diese Richtung bewegen. Nur eine echte Volksbewegung hat Aussicht auf einen dauernden Erfolg.

Das Plebiszit muß folglich unsere Waffe der Systemveränderung sein. Es muß uns gelingen, auf breiter Basis unserem Volk, aber auch unseren maßgeblichen Nachbarn, die revolutionäre Ambitionen in Deutschland zumindest immer mit einem nervösen Auge verfolgen, das herrschende System als im Grunde genommen undemokratisch zu entlarven. Der Parlamentarismus der Berliner Republik ist eben keine Volksherrschaft. »Das Grundübel unserer Demokratie liegt darin, daß sie keine ist. Das Volk, der nominelle Herr und Souverän, hat in Wahrheit nichts zu sagen.« Parlamentarismus ist nicht gleich Demokratie.

Gelingt es uns, diesen Umstand den Menschen bewußt zu machen, wird die Zahl der Verteidiger dieses Systems abnehmen und sein Einfluß schwinden. Gleichzeitig aber wird der Einfluß der Gegner des herrschenden undemokratischen Systems wachsen. Die Zahl der Menschen, die sich um uns scharen, wird bedeutungsvoll zunehmen. Diese anzustrebende Entwicklung wird solange fortdauern, bis die Herrschenden dem Veränderungsdruck, der vom Volke ausgeht, außer mit rabiater Gewalt, nicht mehr länger standhalten können. Um diesen Zustand zu erreichen, muß die Forderung nach Volksabstimmungen an oberster Stelle auf unserer Agenda stehen. Das Volk soll künftig über alle jene Reizthemen abstimmen, die seine Lebensinteressen, seine Lebensqualität betreffen!

Geschichte wurde immer von Minderheiten gemacht. Allerdings selten an der Wahlurne. Wenn eine Nation in Begeisterung aufsteht, um für ihre Freiheit und ihre Ehre zu kämpfen, so ist es, um auf Oswald Spengler zurückzugreifen, immer eine Minderheit gewesen, welche die Volksmasse zuvor im eigentlichen Sinne des Wortes begeistert hat: »Das Volk wacht auf – das ist viel mehr als eine Redensart. Das Wachsein des Ganzen tritt wirklich erst jetzt in Erscheinung. Alle diese einzelnen, die gestern noch mit einem Wirgefühl einhergingen, das sich lediglich auf die Familie, den Beruf, vielleicht den Heimatort erstreckte, sind heute plötzlich vor allem Männer ihres Volkes. Ihr Fühlen und Denken, ihr Ich und damit das ›Es‹ in ihnen hat sich bis in die Tiefe umgewandelt: es ist historisch geworden.« Dann wird auch der Geschichtslose »Glied seiner Nation und es bricht für ihn eine Zeit an, in der er Geschichte erlebt und nicht nur vorüberziehen läßt.«

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung forderte der Politologe Arnulf Baring im November 2002 die Deutschen auf, »auf die Barrikaden« zu gehen: »Die Geduld der Deutschen ist, wenn nicht alles täuscht, am Ende. So wie bisher geht es auf keinen Fall weiter. Die Situation ist reif für einen Aufstand gegen das erstarrte Parteiensystem. Ein massenhafter Steuerboykott, passiver und aktiver Widerstand, empörte Revolten liegen in der Luft. Bürger, auf die Barrikaden! Wir dürfen nicht zulassen, daß alles weiter bergab geht, hilflose Politiker das Land verrotten lassen. Alle Deutschen sollten unsere Leipziger Landsleute als Vorbilder entdecken, sich ihre Parole des Herbstes vor dreizehn Jahren zu eigen machen: Wir sind das Volk!« Erfrischend wohltuende Worte! Bei aller Notwendigkeit und Richtigkeit dieses Aufrufes wird er im Volk selbst jedoch nur wenig Widerhall finden. Die Deutschen sind in ihrer überwiegenden Mehrheit weder Rebellen noch Revolutionäre, sondern Bürger. Als solche würden sie nicht ›auf die Barrikaden‹ gehen, selbst wenn sie errichtet würden. Sie würden sich, vielleicht durchaus mit sympathisierender Zustimmung, das Geschehen eher aus sicherer Ferne betrachten. Auf die Barrikaden gehen nur Idealisten, überzeugte Aktivisten. Gerade diese gilt es zu finden und zu mobilisieren!

Bekanntlich unterliegt der politische Prozeß im ›freiesten Staat, der jemals auf deutschem Boden existiert hat‹, ganz bestimmten ›Spielregeln‹, will sagen Denk- und Sprachverboten. Wer diese nicht einhält, wird fertiggemacht. Zu diesem Zwecke stehen wahrlich genügend ›Keulen‹ zur Verfügung. »Nun wären aber das vielleicht gerade die interessanteren Mitspieler, diejenigen, die Alternativen anzubieten hätten, diejenigen, bei denen man Inhalte und Positionen noch auseinanderhalten könnte und plötzlich eine authentische Auswahl hätte. Aber: nicht hierzulande und nicht unter den Vorzeichen einer ›freiheitlich-demokratischen Grundordnung‹, die überhaupt keine ist, sondern, wie gesagt, eher eine Käseglocke, unter der Sie die verschiedenen Geruchsrichtungen bis zur Beliebigkeit austauschen können.« Tatsächlich finden wir diese ›interessanten Mitspieler‹ in allen Parteien und Organisationen, denen die Zukunft Deutschlands und das Wohl unserer Nation ans Herz gewachsen ist. Diese Kräfte gilt es zu bündeln!

Berührungsängste unter deutschfreundlich eingestellten Aktivisten gleich welcher Couleur haben bislang nur zwei Dinge erreicht: Wahlschlappen für die einzelnen Nußschalenkapitäne und Schadenfreude bei den Feinden Deutschlands. Es muß jedem Idealisten und Aktivisten im deutschfreundlichen Spektrum klar werden, daß jeder, der Politik für seine Heimat und seine Mitmenschen, der echte Politik für Deutschland und die deutsche Nation gestalten will – ob mit oder ohne ›Abgrenzungsbeschlüssen‹ – im herrschenden System ›rechtsradikalisiert‹ wird. Na und? Werden wir nicht müde, das System dieser Republik anzuprangern, zur Diskussion zu stellen und glaubwürdige Alternativen vorzulegen!

Deutsche, egal, ob sie sich nun selbst als nationalfreiheitlich, sozialpatriotisch oder einfach national bezeichnen und gleichgültig, ob sie sich in Parteien, Wählergemeinschaften, Bürgerinitiativen, Landsmannschaften oder kulturpolitischen Freundeskreisen engagieren oder organisationsungebunden sind, müssen begreifen, daß jede Abgrenzung nur den Feinden Deutschlands hilft. Höchste Priorität muß deshalb sein, daß ›die Deutschen, die es noch sein wollen‹ (Horst Mahler), unabhängig ihrer parteipolitischen oder konfessionellen Gebundenheit auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner zusammenfinden. Dieser kann gar nichts anderes sein, als die Existenzsicherung Deutschlands und die Zukunftssicherung der deutschen Nation. Udo Voigt, hat bereits 1998 das einzig gültige Prinzip, nach dem jetzt zu verfahren ist, richtig komprimiert: »Wir fragen nicht, was du gestern getan hast, sondern was du heute für Deutschland bereit bist zu leisten.« Die Zeit ist überreif, Berührungsängste abzulegen und nach diesem Aphorismus zu handeln!

Dem wäre nur eine, aber wesentliche Bemerkung hinzuzufügen. Dieser Aufruf darf nicht nur auf ›Nationalisten‹ bezogen werden, sondern muß weit über den eigenen begrenzten Horizont hinaus verstanden werden. Jeder, der noch Deutscher sein will, gleichgültig ob und welches Parteibuch er oder sie tragen mag, muß sich angesprochen fühlen! Gleich, ob die Volksgenossen (!) aus dem eher ›rechten‹ oder eher ›linken‹ Spektrum des politischen Lebens stammen, dort dem radikalen oder dem gemäßigten Flügel angehören, sich selbst ›liberal‹ oder ›national‹ nennen oder sich mit einer Farbe ›schubladisieren‹, zu bundesrepublikanischen Zeiten als ›verboten‹, ›unbedeutend‹ oder ›etabliert‹ galten, Arbeiter oder Akademiker, arm oder reich sind – aus der Volkssubstanz werden sich die Besten um unserer Nation Willen finden und sammeln.

Diese Vision ist nicht utopisch! Wir haben diese Art der Gemeinschaft in unserer Geschichte schon oft erlebt. Denken wir beispielsweise an den Einsatz der Freiheitskämpfer unter Andreas Hofer oder dem Schinderhannes. Oder nehmen wir zur Verdeutlichung ein Beispiel aus den frühen zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Damals wurde das Reich gewiß nicht mehr bedroht als Deutschland heute. In Essen fanden sich damals unter Albert Leo Schlageter einstige Soldaten, Gewerkschafter, Zentrumsangehörige, Kommunisten und Deutschnationale zu einemFreikorps zusammen. So unterschiedlich ihre soziale und politische Herkunft auch gewesen sein mochte, sie standen zusammen in einem Geist für ein gemeinsames Ziel: die Freiheit Deutschlands. Diese tatkräftigen Idealisten gehörten wahrlich zu den Besten unseres Volkes!

Einer derart seelenverwandten Elite wird auch heute die Aufgabe zufallen, unser Volk wieder zu mobilisieren und zu führen. Es werden diese Besten unseres Volkes sein, unter deren Führung das Volk sich erheben und das herrschende System überwinden wird. Es werden die Besten unseres Volkes sein, die den neuen Staat für das Volk erkämpfen und errichten werden. Botschafter a.D. Horst Groepper schrieb 1982, daß er glaube, »daß das Deutsche Reich, wie der ehemalige Bundesverfassungsrichter Fabian von Schlabrendorff es einmal ausgedrückt hat, nicht tot ist, sondern nur schläft, und daß es an uns ist, das, wofür Generationen unseres Volkes gelitten und gestritten haben, in nicht zu ferner Zukunft geläutert und gestärkt zu neuer Entfaltung zu bringen.« Lassen wir diesen Worten endlich auch Taten folgen! Machen wir Geschichte!

Der vollständige Text mit Fußnoten und Anmerkungen kann in der Vierteljahreszeitschrift Deutschland in Geschichte und Gegenwart, Heft 1/2003, nachgelesen werden.

ePost: Grabert Verlag

© Dr. Claus Nordbruch

Diese Rede basiert auf dem Buch des Verfassers: Claus NORDBRUCH, Der Angriff, Tübingen 2003.